Die Versteuerung der Abfindung nach der Fünftelregelung des EStG

2018-01-08 13:12
von Christian Bollinger

Das Einkommensteuerrecht sieht unter anderen für den Fall einer Abfindung eine Steuerbegünstigung vor. Dabei handelt es sich um die sog. Fünftelregelung nach § 34 i.V.m. § 24 EStG.

I. Anwendungsbereich

Von den in § 24 Nr 1 EStG genannten Entschädigungen kommen für Arbeitnehmer nur solche in Betracht, die gewährt werden als Ersatz für entgangene oder entgehende Einnahmen oder für die Aufgabe oder Nichtausübung einer Tätigkeit.

Dabei muss es sich um eine Zusammenballung von Einnahmen handeln, die sich bei normalem Ablauf auf mehrere Jahre verteilt hätten.

 

II. Hintergrund

Aufgrund des progressiven Einkommensteuertarifs würden diese Einnahmen im Jahr des Zuflusses zu einer unbilligen Steuerbelastung führen. § 34 EStG möchte dem entgegenwirken. Dies ist sachgerecht, da die Einkünfte – wirtschaftlich betrachtet – über mehrere Jahre verdient wurden.

 

III. Funktionsweise in Grundzügen

Die begünstigten Einkünfte bestehen aus den außerordentlichen Einnahmen abzüglich der sachlich unmittelbar damit in Zusammenhang stehenden Werbungskosten.

Die für die außerordentlichen Einkünfte anzusetzende Einkommensteuer beträgt das Fünffache des Unterschiedsbetrags zwischen der Einkommensteuer für das um diese Einkünfte verminderte zu versteuernde Einkommen (verbleibendes zu versteuerndes Einkommen) und der Einkommensteuer für das verbleibende zu versteuernde Einkommen zuzüglich eines Fünftels dieser Einkünfte (§ 34 Abs. 1 S. 2 EStG).

Die Berechnung der Einkommensteuer erfolgt danach in den folgenden Schritten:

  1. Schritt: Die Einkommensteuer wird für das zu versteuernde Einkommen unter Berücksichtigung der unter Progressionsvorbehalt stehenden Einkünfte ohne die außerordentlichen Einkünfte berechnet.
  2. Schritt: Die Einkommensteuer wird auf die Bemessungsgrundlage zu Schritt 1 zzgl. 1/5 der begünstigten außerordentlichen Einkünfte berechnet.
  3. Schritt: Die Differenz der Beträge aus Schritt 1 und 2 wird mit 5 multipliziert und ergibt die Steuer auf die außerordentlichen Einkünfte.
  4. Schritt: Die gesamte Einkommensteuer ergibt sich aus der Steuer zu Schritt 1 zzgl. der Steuer aus Schritt 3.

(Blümich/Lindberg, EStG, EL 137 Juni 2017, § 34 Rn. 69)

Zum besseren Verständnis das folgende vereinfachte Beispiel:

X ist ledig und kinderlos. X verfügt über ein zu versteuerndes Jahreseinkommen im VZ 2017 von 25.000,00 € und erhält eine Abfindung in Höhe von 50.000,00 €.

  1. Schritt: 4.128,21 € [ESt zzgl. SolZ für das zu versteuernde Einkommen ohne a.o. Einkünfte]
  2. Schritt: 7.424,03 € [ESt zzgl. SolZ für das zu versteuernde Einkommen zzgl. 1/5 der begünstigten a.o. Einkünfte]
  3. Schritt: 16.479,10 € [Differenz 1. und 2. (= 3.295,82 €) multipliziert mit 5 = Steuer für a.o. Einkünfte]
  4. Schritt: 20.607,31 € [gesamte ESt zzgl. SolZ aus Summe Steuer 1. und 3.]

Die Einkommensteuer (zzgl. SolZ) ohne die Anwendung der Fünftelregelung würde 24.290,32 € betragen. Die Steuerersparnis beläuft sich damit auf 3.683,01 €.

Bitte beachten Sie, dass es sich hierbei um eine stark vereinfachte Rechnung handelt. Beispielsweise muss ggf. eine Kirchensteuerpflicht sowie unter Progressionsvorbehalt stehende Einkünfte berücksichtigt werden. Entscheidend sind Ihre individuellen steuerlichen Verhältnisse!

 

(Stand 04.12.2017)

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